´╗┐ FUX online

Johann Joseph Fux hinterließ Werke in allen führenden Gattungen seiner Zeit: Kirchenmusik für die Liturgie (Ordinarium, Requiem, Proprium, Offizium), Oratorien und im liturgischen Rahmen verwendete Instrumentalmusik. Für weltliche Kontexte schrieb er Opern und Instrumentalmusik. Hinzu kommen seine musiktheoretischen Schriften: das einflussreiche Theoriewerk Gradus ad Parnassum sowie das Singfundament. Die frühesten überlieferten Werke stammen aus den 1690er Jahren, das späteste datierbare Werk ist von 1732 (Vesper K 68). Danach stellte der an Gicht leidende Fux seine kompositorische Tätigkeit wahrscheinlich ein.

Ein Großteil der überlieferten Kompositionen gehört in den Bereich der Kirchenmusik, bei der weltlichen Musik und insbesondere bei den Instrumentalwerken ist von größeren Verlusten auszugehen. Einige von Fux' Werken sind nur noch durch Vermerke in Musikalieninventaren nachweisbar.

Johann Joseph Fux, Autograph der Missa brevis solennnitatis K 5, Kyrie
© Österreichische Nationalbibliothek, Musiksammlung, Mus.Hs.19193 Mus
Die Abbildung erfolgt mit freundlicher Genehmigung

Zu Lebzeiten von Fux erschienen nur drei Werke im Druck: Der Concentus musico-instrumentalis (Nürnberg 1701), die Oper Elisa (Amsterdam 1719) und das lateinische Lehrwerk Gradus ad Parnassum (Wien 1725), das später auch in verschiedenen Übersetzungen (deutsch, italienisch, englisch, französisch) publiziert wurde.

Die meisten Kompositionen sind in zeitgenössischen Abschriften überliefert; ein Großteil davon ist Aufführungsmaterial und in Form von Stimmen erhalten. Von Fux sind derzeit nur 14 Autographe bekannt: K 5, K 10, K 34, K 34a, K 47 (Teilautograph), K 54, K 127, K 142, K 187, K 221, K 289, E 37, E 68, E 113. Bei K 265 ist umstritten, ob es sich um ein Autograph handelt. K 290 ist zwar von Fux geschrieben, aber die Komposition stammt wahrscheinlich von Johann Georg Reinhardt.

Einen ersten Versuch einer systematischen Zusammenstellung der Werke von Fux unternahm 1835 der Wiener Autographensammler Aloys Fuchs mit seinem Thematische[n] = Catalog über säm[m]tliche Compositionen von Joh. Jos. Fux (D-B Kat. ms. 566). 1872 veröffentlichte der Musikhistoriker und Mozart-Forscher Ludwig Ritter von Köchel sein bis heute verwendetes Standardwerk Johann Josef Fux. Hofkompositor und Hofkapellmeister der Kaiser Leopold I, Joseph I, und Karl VI, von 1698 bis 1740. Diverse Ergänzungen von Andreas Liess, Hellmuth Federhofer, Friedrich Wilhelm Riedel und Thomas Hochradner bringen wichtige Vervollständigungen bei den Quellen und korrigieren den Werkbestand durch Neufunde bzw. Aufdeckung von Fehlzuschreibungen.

Nicht alle unter „Fux“ oder auch „Fuchs“ überlieferten Kompositionen stammen tatsächlich von Johann Joseph Fux. Einige konnten mittlerweile anderen Komponisten zugeordnet werden, es bleiben jedoch zahlreiche Werke zweifelhafter Echtheit, für die die Autorschaft nach wie vor ungeklärt ist. Bei den von Ludwig Ritter von Köchel Fux fälschlich zugeschriebenen Werken fällt die beachtliche Anzahl an weitaus älteren Kirchenmusikkompositionen im a cappella-Stil auf, so passierten Köchel Verwechslungen mit Johann Stadlmayr und sogar mit Giovanni Pierluigi da Palestrina. Besondere Konfusionen entstanden durch den ebenfalls als Komponist tätigen Vinzenz Fux (ca. 1609–1648). Aufgrund der starken Normierung des Stils am Wiener Kaiserhof und der üblichen Adaptionspraxis an die jeweiligen Aufführungskontexte ist es schwierig, mittels stilkritischer Untersuchungen bei den Werken zweifelhafter Echtheit zu einem aussagekräftigen Ergebnis zu gelangen.

Wichtige Quellen sind vor allem im Umfeld der Wiener Hofmusikkapelle zu finden. Sie werden in der Musiksammlung der Österreichischen Nationalbibliothek sowie im Archiv der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien aufbewahrt. Innerhalb des ehemaligen Habsburgerreiches weisen die Quellen eine breite Streuung auf; so existieren zahlreiche Abschriften in Archiven von Kirchen und Klöstern. Weitere bedeutende Quellen sind beispielsweise in Berlin, Meiningen, Budapest, Prag und Brünn erhalten. Vereinzelte Handschriften gelangten in Sammlungen in Paris, London oder New York.

Fux' Kompositionen wurden vor allem zu seinen Lebzeiten rezipiert: Sein langjähriger Dienstherr Karl VI. starb 1740, ein Jahr vor Fux. Danach vollzog sich ein Stilwandel am Wiener Hof; vereinzelte Werke wie die Missa Sti. Joannis K 34 hielten sich dennoch weiter im Repertoire. Im Zuge des Historismus setzte im 19. Jahrhundert eine Renaissance der Fux-Rezeption ein, die sich jedoch auf Werke im a cappella-Stil konzentrierte. Besonderes Interesse erweckte die Missa Canonica (K 7) mit ihren intrikaten Kanonkonstruktionen. Bis ins 20. Jahrhundert waren vor allem diese ursprünglich für die Fastenzeit oder zur Selbstpositionierung in der kontrapunktischen Tradition geschriebenen Kompositionen bekannt, obwohl sie nur einen geringen Teil in Fux' Œuvre ausmachen.

 

Literatur

Thomas Hochradner, Art. Fux, Johann Joseph, in: MGG2, Personenteil Bd. 7, Kassel usw. 2002, Sp. 303–319.
Harry White, Thomas Hochradner (Werkverzeichnis) Art. Fux, Johann Joseph, in: NGroveD Bd. 7, Massachussetts 2001, S. 365–375.
Rudolf Flotzinger, Vinzenz Fux. Ein erster Bericht (Jahresgabe der Johann-Joseph-Fux-Gesellschaft 12), Graz 1983.
Thomas Hochradner, „Donata al calcante“. Neue Quellenfunde sowie Nachrichten über verschollene  Bestände zu Werken von J. J. Fux, in: StMw 44, 1995, S. 47–82.
Thomas Hochradner, Quellenforschung in Ost- und Westeuropa: Das neue Werkverzeichnis für Johann Joseph Fux, in: Musikgeschichte zwischen Ost- und Westeuropa. Symphonik – Musiksammlungen. Tagungsbericht Chemnitz 1995, hg. von Helmut Loos (Deutsche Musik im Osten 10), St. Augustin 1997, S. 543–557. – Nachdruck als Jahresgabe 20/1997 der Johann-Joseph-Fux-Gesellschaft.
Thomas Hochradner, Zur Überlieferung, in: Rudolf Flotzinger (Hg.), Johann Joseph Fux. Leben – musikalische Wirkung – Dokumentation, Graz 2015, S. 134–139.
Thomas Hochradner, Thematisches Verzeichnis der Werke von Johann Joseph Fux (? 1660–1741) (FuxWV). Völlig überarbeitete Neufassung des Verzeichnisses von Ludwig Ritter von Köchel (1872), 1. Band: Wien 2016.

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