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Johann Joseph Fux

Geboren wurde Johann Joseph Fux in dem Dorf Hirtenfeld, rund 20 km östlich von Graz gelegen, damals zur Pfarre St. Marein gehörig, die weitere 7 km südöstlich davon liegt.  Da die Taufmatrikel dieser Pfarrkirche erst mit dem Jahr 1663 beginnen und keine Eintragung für Johann Joseph Fux enthalten, ist anzunehmen, dass er davor geboren wurde, wenn auch nur sehr knapp. Sein Vater war der Bauer und Zechprobst Andreas Fux (um 1615–1708), seine Mutter wahrscheinlich dessen Frau Ursula (um 1640–1691).

Erstmals dokumentiert ist Johann Joseph in den Matrikeln der Universität Graz im Mai 1680 als Schüler der Grammatikklasse, also der dritten, des Jesuitengymnasiums. Im Februar 1681 wird er in das Internat Ferdinandeum aufgenommen und dabei erstmals als „Musicus“ bezeichnet; die dort verpflegten bedürftigen Zöglinge mussten an der Musik in der Jesuitenkirche mitwirken. Auch in diesem Schuljahr ist er noch immer in der dritten Gymnasialklasse – wohl als Repetent –, was nicht für das immer wieder genannte Geburtsjahr 1660 spricht, da wir uns sonst einen über 20jährigen Bauernspross als Mitschüler von 13jährigen vorstellen müssten. Doch auch eine Annahme seiner Geburt gegen Ende 1662 macht die Aufnahme ins Gymnasium im Alter von 17 Jahren nicht viel plausibler, obwohl der Quellenbefund diesen Schluss nahelegt.

Ende 1683 finden wir „Joannes Josephus Fux Styrus Hyrtenfeldensis logica studiosus pauper“ an der Jesuitenuniversität Ingolstadt, d. h. in der letzten Klasse des Lyzeums, nachdem er das Grazer Ferdinandeum vor der Mindestbleibedauer von drei Jahren und wohl deshalb ohne Abmeldung verlassen hatte. Der Grund dafür könnte gewesen sein, dass er das an der Grazer Universität nicht angebotene Studium der Rechte anstrebte, das er dann auch in Ingolstadt begann. Im August 1685 wurde er – noch als Philosophiestudent – in der dortigen Pfarrkirche St. Moritz als Organist angestellt, und danach bis 1687 betrieb er gleichzeitig das juridische Studium. Zu dieser Zeit komponierte er auch einige Motetten und ein deutsches Totenlied, die in einem Inventar der Pfarrkirche von 1710 verzeichnet, aber nicht erhalten sind.

Mit Jahresende 1688 endete seine Anstellung als Pfarrorganist in Ingolstadt. Man kann nur vermuten, dass er anschließend seinen Aufenthalt in Wien genommen hat, wo er aber erst 1696 bei Gelegenheit seiner Heirat mit Juliana Clara Schnitzenbaum (um 1671–1731), der Tochter eines Regierungsbeamten, dokumentiert ist, und zwar schon als Organist des Benediktinerstifts zu den Schotten. Von Jahresbeginn 1698 an wurde Fux zusätzlich von Kaiser Leopold I. „wegen seiner Compositionen“ als Mitglied seiner Hofkapelle besoldet, also als Hofkomponist. Zu den Bereichen, die er als solcher zu bedienen hatte, gehörten der geistliche für die Kirche und der weltliche für die Kammer, also Messen, Vespern, Motetten, Oratorien und Kirchensonaten einerseits und Serenate (Kammerdramen) sowie Instrumentalsuiten und Sonaten, wie sie in seinem ersten Druckwerk Concentus musico-instrumentalis (Nürnberg 1701) versammelt sind, anderseits. Auch mit Bühnenwerken wurde er betraut, schon 1700 mit einer kleinen Festa teatrale für die kaiserlichen Pagen und 1702 mit einem dreiaktigen Drama per musica zum Namenstag von Amalie Wilhelmine, der Frau des Römischen Königs Joseph I., danach aber bis zu seiner Ernennung zum Hofkapellmeister 1715 nur mehr mit einaktigen Opern. Offenbar wurde die große Oper von den aus Italien geholten, in diesem Fach ausgewiesenen Komponisten Giovanni Bononcini und Marc'Antonio Ziani besser bedient.

Die Organistenstelle beim Schottenkloster legte er 1702 zurück, doch mit dem Jahr 1705, in dem Fux zum Kapellmeister beim Gnadenbild Maria Pötsch am Dom St. Stephan ernannt wurde, begann er eine bis dahin im Wiener Musikleben unbekannte Kumulierung von Ämtern, denn 1711 erhielt er die des Vizehofkapellmeisters und des Leiters der Kapelle der Witwe Kaiser Josephs I. dazu, 1712 das des Domkapellmeisters, auf das er aber Ende 1714 immerhin verzichtete, da er Anfang 1715 zum kaiserlichen Hofkapellmeister avancierte, was er bis zu seinem Tod 1741 auch blieb. Ein kaum überschaubares geistliches Œuvre inklusive 13 Oratorien, 21 weltliche musikdramatische Werke meist kleinerer Dimensionen – Angelica Vincitrice di Alcina von 1716, Elisa von 1719 und die Prager Festoper Costanza e Fortezza von 1723 bilden die Ausnahmen –, eine beträchtliche Anzahl von Instrumentalwerken für die Kirche und den weltlichen Gebrauch und, als wohl bekanntestes Werk mit großer Breiten- und langer Nachwirkung, die Kompositionslehre Gradus ad Parnassum (Wien 1725) bildet den zumindest in Mitteleuropa verstreut zum größten Teil erhaltenen Output dieses enorm kreativen Lebens, davon 42 Jahre im Dienst dreier Kaiser: Leopolds I., Josephs I. und Karls VI. Zu seinen Schülern zählten Gottlieb Muffat, Jan Dismas Zelenka, Franz Ignaz Tuma und Georg Christoph Wagenseil.

Zu seinen persönlichen Verhältnissen wäre noch anzumerken, dass er keine eigenen Kinder hatte, aber eine Nichte und einen Neffen bei sich aufnahm, die auch seine Erben werden sollten. Seit etwa 1720 litt er an chronischer Gicht. Am 13. Februar 1741 starb er, wohlhabend und hoch angesehen, und wurde zwei Tage später in der Gruft unter St. Stephan feierlich beigesetzt. Im Totenbeschauprotokoll und im Wienerischen Diarium (18.02.1741, S. 149) wird sein Alter mit 81 Jahren angegeben, was auf seine Geburt im Jahr 1659 schließen ließe, wenn diese Altersschätzungen nicht einen hohen Unsicherheitsfaktor beinhalteten (+/– 4 Jahre).

 

Literatur:

Rudolf Flotzinger (Hg.), Johann Joseph Fux. Leben – musikalische Wirkung – Dokumente, Graz: Leykam 2015.

Rudolf Flotzinger, Johann Joseph Fux. Zu Leben und Werk des österreichischen Barockkomponisten. Graz: Akademische Druck- und Verlagsanstalt 2015.

Thomas Hochradner, Art. Fux, Johann Joseph, in: MGG2, Personenteil Bd. 7, Kassel usw. 2002, Sp. 303–319.

Bildnachweis: [Alois Greil], Lithographie, nach 1872, © Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv und Grafiksammlung (POR), PORT_00005584_01. Abbildung mit freundlicher Genehmigung.

 

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Empfohlene Zitierweise: Herbert Seifert, Johann Joseph Fux, [Link: http://fux-online.at/cms_seite.php?content=2&menu=1], 08.07.2016.

 

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